Die Gänse von Angermund
Als Daniel Isenbügel, der den Sackerhof 1838 übernommen hatte, wieder einmal nach Angermund kam, steckte er sich die Rocktaschen voll kleingeschnittener Möhren.
Während er nun über den holprigen Steinweg von der Kellnerei zur Kirche ging, streute er die Möhrenscheiben aus und rief : "Pill, Pill!"
Da kamen aus allen Höfen die Gänse herbeigelaufen und schnappten nach diesen Leckerbissen. Bald hatte er eine große Herde schnatternden Geflügels hinter sich. Aber nun wurde ganz Angermund aufsässig, schimpfte über den "Gottlosen vom Sack" und holte den Knüppel hervor. Denn das konnten die Angermunder nicht vertragen, wenn man sich über ihre Stadt lustig machte, die mehr Gänse als sonstige Einwohner haben sollte. Die Gänsezucht brachte den Angermundern durch den Verkauf von Federn und Eiern manches Geld ein. Alte Frauen, die zu anderer Arbeit nicht mehr zu gebrauchen waren, dienten für die Kost als Gänsehirtinnen. Die großen Wiesen und Brüche waren treffliche Weideplätze für dieses Vieh.
Heute sind die Zeiten vorbei, wo die Fremden Möhrenstückchen mitbringen müssen, um unbehelligt von den vielen Gänsen durch Angermund ziehen zu können. Auch der letzte Rest der alten Stadtbefestigung, das Nordtor, ist zu Anfang des 19. Jahrhunderts verschwunden. Aber noch wird von Wandervögeln manchmal - doch beileibe nicht in Angermund selbst! - ein Spottlied gesungen, das auf die Gänse Bezug nimmt.